Wie divers ist die deutschsprachige Film- und Fernsehbranche? Wer ist wie repräsentiert und wer nicht? Welche Ausschlüsse und prekäre Arbeitsverhältnisse gibt es und wie können wir die Entwicklung eines inklusiven Arbeitsumfeldes in der Filmbranche vorantreiben? Die Initiative und Onlinebefragung Vielfalt im Film (ViF) war die erste umfassende Erhebung von Antidiskriminierungs- und Gleichstellungsdaten in der deutschsprachigen Film- und Fernsehbranche. Über 6.000 Filmschaffende in ihren 440 Berufen nahmen an der Online-Umfrage teil. Damit liegen nun erstmals umfassende Daten zu ihren Erfahrungen bzgl. Vielfalt und Diskriminierung vor und hinter der Kamera vor. Die Ergebnisse von Vielfalt im Film deuten darauf hin, dass Diskriminierung die deutsche Filmbranche durchzieht und die Teilhabe von Filmschaffenden mit unterschiedlichen Vielfaltsbezügen einschränkt. Die Umfrage lief von Mitte Juli bis Ende Oktober 2020.

 

„Vielfalt ist eine Bereicherung für Alle und besonders in der Filmbranche ist ihre Repräsentanz relevant – für den Erfolg der Produktionen, für das Selbstverständnis des Publikums und die Entfaltung künstlerischer Freiheit“, so Martin Wilhelm, Geschäftsführer von Citizens For Europe gUG (CFE). Es ist zentral, dass die Vielfalt der Gesellschaft sich vor und hinter der Kamera wiederfindet, dass alle, die Filmförderung durch Steuergelder, Rundfunkbeiträge und Filmabgaben mitfinanzieren, sich auch in den entstehenden Produktionen repräsentiert sehen.“

Das  Filmgeschäft ist von wirtschaftlichen Interessen, prekären Arbeitsbedingungen und Diskriminierung geprägt. Bereits vor der #MeToo-Debatte wurde in einer Befragung „GENDER UND FILM“ unter Filmschaffenden im Jahr 2016 Diskriminierung aufgrund von Geschlecht als zentrales Problem in Deutschland benannt. Seitdem ist die Debatte dringlicher geworden: Initiativen wie ProQuote Film, aber auch Selbstorganisationen von Gruppen mit Rassismuserfahrung sowie Vertretungen von Menschen mit Behinderung/Beeinträchtigung kritisieren die Marginalisierung von Frauen, Menschen mit Behinderung, aus LGBTIQ* Gemeinschaften, Menschen mit Rassismuserfahrung, mit benachteiligten sozialen Status sowie aus den Ost-Bundesländern im Filmgeschäft.

 

Die erste umfassende Befragung in der deutschsprachigen Film- und Fernsehbranche.

Mit dem Ziel in der Film- und-und Fernsehbranche einen Beitrag zur Entwicklung eines inklusiven, gerechten und wertschätzenden Arbeitsumfelds zu leisten, hat ein breites Bündnis zivilgesellschaftlicher, privater und öffentlicher Organisationen die Initiative Vielfalt im Film (ViF) ins Leben gerufen. „Die Förderung von Vielfalt ist ohne den Abbau von Diskriminierung nicht zu erreichen und der Abbau von Diskriminierung ohne eine fundierte Erhebung von Diskriminierungserfahrungen und deren strukturelle Dimension kaum möglich. Wir brauchen aussagekräftige Daten über die Gesamtsituation“, betont Daniel Gyamerah, Bereichsleiter unseres Bereich Advocating for Inclusion.

Wer ist vertreten? Wer fehlt? Wie häufig sind welche Formen von Diskriminierungen? Zum ersten Mal wurden über 30.000 Filmschaffende im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich und der Schweiz) befragt, welche Perspektive und Erfahrungen sie in Bezug auf Chancengerechtigkeit, Vielfalt und Diskriminierung haben. Die Onlinebefragung stützte sich auf die Expertise und vielfältige Erfahrungen der Filmschaffende. Es gab daher Fragen zum Arbeitsklima, zur Berufssituation vor und hinter der Kamera, Fragen zu ihrer Einschätzung von Maßnahmen zur Förderung von Gleichstellung, Inklusion und der Berücksichtigung des Lebensalters. Außerdem wurden die Befragten dazu eingeladen, sich über etwaige eigene Diskriminierungserfahrungen entlang aller Vielfalts- und Diskriminierungsdimensionen des Allgemeinen Gleichstellungsgesetzes (AGG) zu äußern – also in Bezug auf das Geschlecht, ethnische Herkunft/rassistische Diskriminierung, Alter, Behinderung, sexueller Identität, Religion oder Weltanschauung – sowie zusätzlich in Bezug auf den sozialen Status und eine westdeutsche/ ostdeutsche Sozialisation. 

 

Empfehlungen für den Abbau von Diskriminierungen

Die Befragung wurde von Citizens For Europe gUG (CFE) unter Nutzer*innen von CrewUnited durchgeführt, zusammen mit den Initiator*innen von Vielfalt im Film konzipiert und u.a. durch die Antidiskriminierungsstelle des Bundes gefördert. Wissenschaftlich betraut mit der Befragung war das Vielfalt-entscheidet-Team von CFE.

Auf der Grundlage der Ergebnisse wurden geeignete und gezielte Maßnahmen zur Inklusion, zur Verbesserung der Chancengerechtigkeit und des Arbeitsklimas vorgeschlagen. Die Empfehlungen wurden der Politik und Hauptakteuren der Filmbranche zur Verfügung gestellt, damit sie die Expertise und Einblicke aus dem Arbeitsalltag der Filmschaffende als Ressource für strategische Entscheidungen nutzen, um Diskriminierung abzubauen und ein gerechtes und wertschätzendes Arbeitsklima zu fördern. 

Vielfalt im Film wurde unter anderem durch die Antidiskriminierungsstelle des Bundes finanziell unterstützt.

https://vielfalt-im-film.de/

 

 

Pressekontakt
Séverine Lenglet
Referentin für Medien- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel: +49 (0)173 874 2069
Mail: lenglet@citizensforeurope.org

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    Ergebnisse der Studie #VielfaltImFilm über Vielfalt und Diskriminierung vor und hinter der Kamera

    Über 6.000 Filmschaffende in ihren 440 Berufen nahmen an der vom Bündnis Vielfalt im Film initiierten Online-Umfrage teil. Damit liegen nun erstmals umfassende Daten zu ihren Erfahrungen bzgl. Vielfalt und Diskriminierung vor und hinter der Kamera vor. Die Ergebnisse von Vielfalt im Film deuten darauf hin, dass Diskriminierung die deutsche Filmbranche durchzieht und die Teilhabe von Filmschaffenden mit unterschiedlichen Vielfaltsbezügen einschränkt. Die Umfrage lief von Mitte Juli bis Ende Oktober 2020.
    Zu den Ergebnissen

    Vielfalt im Film: für eine inklusive und gerechtere Filmbranche

    Ab dem 17.Juli 2020 sind über 30.000 Filmschaffende aus 440 Berufen der deutschsprachigen Fernseh- und Filmbranche eingeladen, an der ersten Umfrage zu Vielfalt und Diskriminierung vor und hinter der Kamera teilzunehmen. Ziel der Onlinebefragung ist es, ein Gesamtbild über Diversität und Diskriminierungserfahrungen zu erhalten und damit konkrete Maßnahmen für Filmproduktionen, Filmförderung und Politik zur Entwicklung eines gerechteren und vielfältigeren Arbeitsumfeldes herzuleiten und voranzutreiben.

    Vielfalt im Film wird von einem breiten Bündnis aus über 40 zivilgesellschaftlichen, privaten und öffentlichen Akteur*innen getragen. Citizens For Europe verantwortet die wissenschaftliche und technische Durchführung der Umfrage. Die Branchenplattform Crew United verbreitet die Umfrage in ihrem umfassenden Filmschaffenden-Netzwerk und zahlreiche bekannte Filmschaffende rufen zur Teilnahme auf.

    #AFROZENSUS: Schwarze Lebensrealitäten erfassen

    In Deutschland leben über eine Million Schwarzer, afrikanischer, afrodiasporischer Menschen. Ab dem 19. Juli können sie beim #AFROZENSUS,der ersten groß angelegten Onlinebefragung zur Erfassung ihrer Lebensrealitäten, Diskriminierungserfahrungen und Perspektiven, mitmachen. Ziel ist, mit den Ergebnissen die Schwarzen Communities in Deutschland zu empowern und konkrete politische Maßnahmen gegen rassistische Diskriminierung und zur Förderung der Schwarzen Communities voranzutreiben.

    Gefördert von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes ist #AFROZENSUS ein Projekt von Each One Teach One (EOTO) und Citizens For Europe in Kooperation mit dem Deutschen Institut für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM). In den letzten Wochen erhielt der #AFROZENSUS sehr große Medienaufmerksamkeit.

    Seit unserer Piloterhebung von Antidiskriminierungs- und Gleichstellungsdaten (ADGD) in 2018 am Beispiel der Berliner Verwaltung ist das bundesweite Interesse am Thema und an Daten weiterhin ungebrochen. Immer mehr Organisationen, Netzwerke und Berater*innen aus unterschiedlichen Sektoren widmen sich dem Thema und kommen auf uns zu, was auch dazu führte, dass wir im letzten Jahr bei vielen Veranstaltungen Vorträge und Präsentation halten und viele Seminare und Workshops zum Thema geben konnten. Darüberhinaus haben wir in der Vergangenheit weitere Erhebungen auf den Weg gebracht, z.B. in Berliner Kultureinrichtungen oder bei fördernden Einrichtungen. Unser Erhebungsinstrument haben wir unter Beteiligung der betroffenen Communities und Expert*innen ständig weiterentwickelt. Neben den sechs Diskriminierungsdimensionen des Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG) erheben wir nun auch sozial Herkunft und sozioökonomischer Status, Ost- und Westsozialisation, namtlich festgestellte Schwerbehinderung und Gewichtsdiskriminierung und haben ein Fokus auf das Arbeitsklima gelegt.

    Erhebungen im Film, Community und Politik

    In diesem und im kommenden Jahr werden wir die Erhebung von Antidiskriminierungs- und Gleichstellungsdaten deutlich ausbauen, z.B. in der Filmbranche, in der Politik und der öffentlichlichen Verwaltung. Dazu gehört dann hoffentlich auch die Weiterführung der Erhebung in der Thüringer Landesverwaltung – VET.

    Mit einem dutzend zivilgesellschaftlichen Organisationen aus der Filmbranche initiieren wir gemeinsam mit Vielfalt im Film“ die erste Erhebung zu Vielfalt und Diskriminierung unter 30.000 Filmschaffenden in Deutschland, mit Berufen vor und hinter der Kamera. Geplant ist die Umfrage im Frühjahr 2020 durchzuführen und die Ergebnisse auch im Rahmen der Novellierung des Filmfördergesetzes zu veröffentlichen. Bis zur Veröffentlichung der Projektwebseite im Februar können Informationen zur Erhebung unter vielfaltimfilm@citizensforeurope.org angefragt werden.

    Zusammen mit Each One Teach One e.V. bringen wir mit Afrozensus zudem die erste Umfrage innnerhalb einer Community auf den Weg, die von der Antidiskriminierungstelle des Bundes (ADS) gefördert wird. In Deutschland leben über eine Millionen Menschen afrikanischer Herkunft. Ziel von AfroZensus ist es, ein möglichst umfassendes Bild zu erlangen, wie sie ihr Leben in Deutschland einschätzen und welche Erwartungen sie an die Gesellschaft und Politik haben. Die Ergebnisse werden der Community und Politik zur Verfügung gestellt. So erlangt eine der jüngsten Bevölkerungsgruppen in Deutschland endlich die Sichtbarkeit als Gruppe, die für eine bessere Interessenvertretung notwendig ist. Auf der Basis der Ergebnisse werden konkrete Maßnahmen vorgeschlagen, um rassistische Diskriminierung abzubauen und Schwarze, afrikanische, afrodiasporische Menschen zu fördern.

    Im Frühjahr planen wir auch eine Umfrage unter 300 Organisationen zum Thema Antidiskriminierungs- und Gleichstellungsdaten, um zu erfahren wie weit der Fachdiskurs zu, das Wissen um und das Interesse an ADGD verbreitet ist.

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