Citizens For Europe (CFE) und CorrelAid haben sich zusammengeschlossen, um eine Umfrage unter den Mitgliedern der CorrelAid-Community zum Thema (Nicht-)Freiwilligenarbeit und (Anti-)Diskriminierung durchzuführen. Um den technischen Teil der Zusammenarbeit einzuleiten, haben CFE und CorrelAid gemeinsam einen Hackathon organisiert, der erste für uns bei CFE. Vom 9. bis 11. September 2022 kamen etwa 35 Freiwillige von CorrelAid – Datenwissenschaftler*innen, Dateningenieure*innen, Entwickler*innen und data4good-Aktivist*innen – zu uns nach Berlin Wedding, um unser Team beim Aufbau der technischen Infrastruktur und der Datenpipeline für die Sammlung, Analyse und Berichterstattung von Gleichstellungsdaten zu unterstützen.

Am Freitag konnten die Teilnehmer*innen zwei inspirierende Keynotes und zwei Fachvorträge hören. „Statistiken sind dafür bekannt, dass sie in ihrer Gesamtheit Wahrheiten offenbaren, die auf individueller Ebene falsch dargestellt oder gelogen sein können. Wie können wir Daten als Spiegel der menschlichen Realität nutzen, indem wir mit Etiketten, Profilen und Werkzeugen zur Verallgemeinerung arbeiten?“, erklärte Dr. Nakeema Stefflbauer, Gründerin und Geschäftsführerin von FrauenLoop, in ihrer Keynote „Bringing Your Whole Self to Data Work“.
Joshua Kwesi Aikins aus unserem Team sprach über Bewusstseinsbildung, Befähigung und Interessenvertretung durch gemeinschaftsbasierte Dateninterventionen am Beispiel von Afrozensus 2020.

 

Ellen König, Lead Data Engineer, sprach über „Die zwei größten Herausforderungen bei der Erstellung von Datenpipelines“: Herausfinden, welche Art von Datenpipeline man benötigt und ihre Transformationen so implementieren, dass man ihre Daten nicht versehentlich verzerrt.
Elif Schaefer, Leiterin der Abteilung Business Intelligence, informierte die Teilnehmer*innen über den „Dashboard-Designprozess und die Gestalttheorie der visuellen Wahrnehmung“. „Wenn Sie bei der Gestaltung Ihrer Dashboards Gestaltprinzipien und einige einfache Richtlinien berücksichtigen, können Sie die kognitive Belastung besser berücksichtigen und Ihrem Publikum eine klare Botschaft durch eine Geschichte vermitteln!“

Gruppenfoto Hackathon Diversity Data

#Tech4good: Die Magie der kollektiven Intelligenz

Ilja präsentiert die "Challenges"Am Samstagmorgen präsentierten Lisa Reiber und Ilja Sperling aus dem Tech-Team den Teilnehmern*innen 16 Forschungs- und Entwicklungsaufgaben. Die Herausforderungen waren thematisch in drei Tracks zu folgenden Themen gruppiert:
1. Datenextraktion & Transformationspipeline (wie man Daten erhält und bereinigt),
2. explorative Datenanalyse (EDA) (wie lernt man etwas über den Inhalt der Daten), und
3. Berichterstattung und Visualisierung (wie man die Ergebnisse den Forscher*innen präsentiert).
Nachdem die Hackathon-Teilnehmer*innen ihre Herausforderung für das Wochenende gefunden hatten, wurde der verbleibende Tag damit verbracht, die Herausforderungen in Angriff zu nehmen, zu recherchieren, Ideen auszutauschen, Feedback von den Coach-Experten zu erhalten, den Forschungsfortschritt zu dokumentieren (Sackgassen eingeschlossen) und hier und da konkrete Lösungen umzusetzen. Gruppenarbeit Hackathon Diversity Data

Am Sonntag präsentierten die Gruppen allen anderen Teilnehmern*innen und den Mitgliedern des CFE-Teams ihre Ansätze und Lösungen, die sie entwickelt hatten. Insgesamt war es eine großartige Erfahrung, all die kreativen Prozesse zu beobachten, die während des Wochenendes stattgefunden haben. Die Teilnehmer*innen leisteten großartige Arbeit, um das CFE-Team bei den umfassenden Forschungs- und Entwicklungsaufgaben sowie bei der spezifischeren Prototyping-Arbeit zu unterstützen, die den Weg für die nächste Projektphase ebnet: Mehrere Monate konzentrierter Arbeit an den Problemen, die nun viel besser verstanden werden als vor dem Hackathon.

 

Der Afrozensus, die erste umfassende Studie zu Schwarzen, afrikanischen und afrodiasporischen Lebensrealitäten in Deutschland, zeichnet Muster des Anti-Schwarzen Rassismus nach und zeigt, wie diese in verschiedenen Lebensbereichen zusammenwirken. Zum Artikel.

Dieser Artikel wurde in „Aus Politik und Zeitgeschichte“ veröffentlicht. Die Beilage zur Wochenzeitung „Das Parlament“ – wird von der Bundeszentrale für politische Bildung herausgegeben.

Heute leben rund eine Million Schwarze Menschen in Deutschland. Viele von ihnen werden regelmäßig mit Fragen nach ihrer „eigentlichen“ Herkunft konfrontiert. Dabei blickt Deutschland auf eine jahrhundertelange Schwarze Geschichte zurück. Doch die bereits vor dem Ersten Weltkrieg bestehende Schwarze Community wurde im Zuge rassistischer Propaganda und Verfolgung bis 1945 weitgehend ausgelöscht – die Erinnerung an sie und eine breite Auseinandersetzung mit Anti-Schwarzem Rassismus in Deutschland blieb lange aus.

 

Fast 6.000 Schwarze, afrikanische und afrodiasporische Menschen in Deutschland nahmen an der Online-Umfrage #Afrozensus teil. Damit liegen nun erstmals umfassende Daten zu ihren Lebensrealitäten, Rassismuserfahrungen und Engagement vor. Die Ergebnisse des #Afrozensus deuten darauf hin, dass Anti-Schwarzer Rassismus (ASR) in Deutschland weit verbreitet und in Institutionen verankert ist. Kriminalisierung, Exotisierung und Sexualisierung sind nur drei der zahlreichen Muster, durch die sich Anti-Schwarzer Rassismus auszeichnet und die viele Befragte erleben. Um Anti-Schwarzen Rassismus im Ansatz zurückzudrängen, ist deshalb ein Fokus auf das Empowerment Schwarzer, afrikanischer und afrodiasporischer Menschen notwendig.

Die Umfrage lief vom 20.Juli bis 06. September 2020. 

Der Bericht steht auf https://afrozensus.de zum Download zur Verfügung.

Anti-Schwarzer Rassismus in Deutschland weit verbreitet 

Cover Bild Bericht Afrozensus 2020 - Illustration: Hélène Baum-OwoyeleFast 6.000 Schwarze, afrikanische und afrodiasporische Menschen in Deutschland nahmen an der Online-Umfrage #Afrozensus teil. Damit liegen nun erstmals umfassende Daten zu ihren Lebensrealitäten, Rassismuserfahrungen und Engagement vor. Die Ergebnisse des #Afrozensus deuten darauf hin, dass Anti-Schwarzer Rassismus (ASR) in Deutschland weit verbreitet und in Institutionen verankert ist. Kriminalisierung, Exotisierung und Sexualisierung sind nur drei der zahlreichen Muster, durch die sich Anti-Schwarzer Rassismus auszeichnet und die viele Befragte erleben. Um Anti-Schwarzen Rassismus im Ansatz zurückzudrängen, ist deshalb ein Fokus auf das Empowerment Schwarzer, afrikanischer und afrodiasporischer Menschen notwendig.

Die Umfrage lief vom 20.Juli bis 06. September 2020. 

Der Bericht steht auf https://afrozensus.de zum Download zur Verfügung.

Ausgewählte Ergebnisse: 

● In Deutschland leben über 1 Million Menschen afrikanischer Herkunft. Bis jetzt gab es über diese Gruppe kaum weitere statistische Angaben. Die Diversität der Gruppe zeigt sich eindeutig bei den Teilnehmenden der Umfrage:

  • Sie sind in 144 Ländern geboren. Die meisten davon in Deutschland (2.822 Personen). Danach folgen die USA (111), Nigeria (81) und Ghana (76).
  • Drei von zehn Afrozensus-Befragten haben zwei afrikanische/ afrodiasporische Eltern (33,9 %) während sieben von zehn ein afrikanisches/ afrodiasporisches Elternteil hat (66,1 %).
  • 1 von 4 der Befragten hat keinen Migrationshintergrund. Diese Gruppe wird in großen Bevölkerungsstudien nicht identifiziert, da hier nur der statistische Migrationshintergrund erhoben wird. Der Afrozensus hat zusätzlich die Selbstpositionierung der Befragten (z. B. Schwarz, afrikanisch und/oder afrodeutsch) erfragt. 
  • Die meisten Befragten sprechen 3 Sprachen.

● Der Afrozensus validiert und bestätigt Alltagserfahrungen: Anti-Schwarzer Rassismus wirkt spezifisch und ist ein sektorübergreifendes Problem in Deutschland. Insgesamt wurden 14 Lebensbereiche untersucht (z. B. Gesundheit, Bildung, Ämter & Behörden, Wohnungsmarkt etc.). Es gibt keinen Lebensbereich, in dem Diskriminierung und Rassismus keine umfassenden Probleme sind.

● Die Befragten sind überdurchschnittlich engagiert: 46,8 % geben an, ehrenamtlich aktiv zu sein, die meisten davon im Bereich Soziales.

Verstärkt wurde ASR in den letzten fünf Jahren laut 36,5 % der Befragten durch rassistische Reaktionen auf erhöhte Zuwanderung von geflüchteten Menschen seit 2015 und die damit verbundene Politik (60,4 %), der Aufstieg, die Wahlerfolge und die Parolen der Partei „Alternative für Deutschland” (31,5 %) sowie die Reproduktion von Anti-Schwarzem Rassismus in Medien und Berichterstattung (14,5 %).

Abgeschwächt wurde ASR in Deutschland in den letzten fünf Jahren laut 36,5 % der Befragten aufgrund der Black Lives Matter-Bewegung, antirassistische Bewusstseins- und Aufklärungsarbeit (27,4 %) sowie durch Schwarze Medienpräsenz und die sozialen Medien (16,2 %). Hier zeigt sich, dass die Verminderung von Anti-Schwarzem Rassismus zuallererst dem Aktivismus Schwarzer Menschen zugeschrieben wird.

 

Im Detail: Diskriminierungs- und Rassismuserfahrung

● Anti-Schwarzer Rassismus wirkt spezifisch, u. a. über drei Mechanismen:

  • Exotisierung: Über 90 % der Befragten geben an, dass ihnen ungefragt in die Haare gegriffen wird. Das ist ein Beispiel für das Othering und die Exotisierung Schwarzer Menschen.
  • Sexualisierung: Aber auch die Sexualisierung Schwarzer Menschen ist eine häufige Erfahrung. Insgesamt geben fast 80 % an, auf Dating-Apps sexualisierte Kommentare bezüglich ihres Aussehens bzw. ihrer ‘Herkunft’ zu erhalten.
  • Kriminalisierung: Auch die Kriminalisierung ist eine geteilte Erfahrung. Über 56 % geben an, gefragt zu werden, ob sie Drogen verkaufen und über 56 % geben ebenfalls an, ohne Grund von der Polizei kontrolliert zu werden.
  • Auch die Aberkennung von Kompetenzen, Entindividualisierung und Homogenisierung gehören zu weiteren Mechanismen, die sich in den Daten zeigen.

● Schlechte Erfahrungen, wenn man sich wehrt

Wenn sich Schwarze, afrikanische und afrodiasporische Menschen gegen Diskriminierung wehren, machen sie oft schlechte Erfahrungen. Über 90 % geben an, dass ihnen nicht geglaubt wird, wenn sie Rassismus ansprechen. Auch unabhängig von Diskriminierungssituationen geben die Befragten an: Wenn sie Kritik äußern, wird ihnen vorgeworfen, wütend zu sein. Diese Erfahrung teilen 86 % der Befragten.

Gesundheitssektor

66,7 % stimmen dieser Aussage zu, “Mein*e Ärzt*in nimmt meine Beschwerden nicht ernst”. 

● Bildung

Zwei Drittel der Afrozensus-Befragten (67,6 %) geben an, dass sie aufgrund rassistischer Zuschreibungen in der Schule/Universität bei gleicher Leistung schlechtere Bewertungen als andere Mitschüler*innen/Kommiliton*innen erhalten.

● Unterschiede zwischen Teilgruppen: Neben den geteilten Erfahrungen mit Anti-Schwarzem Rassismus, gibt es aber auch signifikante Unterschiede. Besonders von Diskriminierung betroffen sind trans*, inter* und nicht-binäre Menschen, Befragte mit Beeinträchtigung und/oder Behinderung sowie Schwarze Menschen mit zwei afrikanischen oder afrodiasporischen Elternteilen.

  • Im Bereich Gesundheit und Pflege erfahren z. B. Befragte trans*, inter* und nicht-binäre Menschen besonders häufig Diskriminierung. Im Vergleich zu Cis-Menschen geben sie hier am häufigsten an, Diskriminierung zu erleben (81,7 % von n = 104). Von den Cis-Männern geben 50,3 % an, in diesem Bereich diskriminiert worden zu sein und von den Cis-Frauen 67,1 %.
  • 8 von 10 Befragten mit Beeinträchtigung geben an, im Kontakt mit Ämtern und Behörden diskriminiert zu werden (81,6 % von n = 267) . Unter den Befragten ohne Beeinträchtigung sind es 6 von 10 (62,8 % von n = 1175).
  • Auf dem Wohnungsmarkt erleben u. a. Befragte mit zwei afrikanischen / afrodiasporischen Elternteilen häufig Diskriminierung. 83,4 % geben an, auf dem Wohnungsmarkt diskriminiert worden zu sein. Das ist deutlich häufiger, als Befragte mit einem afrikanischen Elternteil (65,9 % von n = 1036).

Dilemma der Reaktion

Im Bericht wurde das Dilemma der Reaktion identifiziert: Egal welchen Weg Befragte individuell wählen, ob sie Anti-Schwarzen Rassismus ignorieren oder relativieren, oder aktiv kritisieren, beides ist mit Kosten für die Befragte verbunden und es kann immer sein, dass die Diskriminierung weiter zunimmt.

Was muss sich ändern?

● Empfehlungen an Politik und Verwaltung

  • Finanzielle Förderung: Empowerment muss als strategisches Ziel das Demokratiefördergesetz strukturieren.
  • Institutionalisierung: Es braucht Empowerment-Infrastruktur, u. a. in Form von Communities-Zentren.
  • Weil Anti-Schwarzer Rassismus spezifisch wirkt, sind auch spezifische Maßnahmen notwendig:                                                                                                                       – Aktionspläne zur Bekämpfung von Anti-Schwarzem Rassismus und zum Empowerment Schwarzer, afrikanischer und afrodiasporischer Menschen
    – Beratungsstellen für Betroffene von Anti-Schwarzem Rassismus

● Empfehlungen an Schwarze, afrikanische und afrodiasporische Communities

Wir machen also unterschiedlich häufig Erfahrungen mit sich überschneidenden Formen von Diskriminierung. Deshalb ist es wichtig, die Anstrengungen für notwendige Bündnisse und communities-internen Austausch zu Lebensrealitäten und struktureller Diskrimierung zu intensivieren. Der Vulnerabilität von Teilgruppen sollte mit Ressourcen, Räumen sowie solidarischer Verantwortung und Communities-Care begegnet werden.

Über den #Afrozensus:

Der #Afrozensus ist ein gemeinschaftliches Projekt von Each One Teach One (EOTO) e.V. und Citizens For Europe (CFE) und wurde vom Deutschen Zentrum für Integrations und Migrationsforschung (DeZIM), Abteilung Konsens und Konflikt, Steffen Beigang, Prof. Dr. Sabrina Zajak und Dr. Ralf Wölfer (quantitative Forschung) sowie der Alice Salomon Hochschule, Prof. Dr. Iman Attia (qualitative Forschung) als wissenschaftliche Kooperationspartner*innen begleitet.

Diskriminierungserfahrungen, Perspektiven und Engagement Schwarzer Menschen in Deutschland

Über die Ergebnisse der Studie #Afrozensus und darüber, welche Diskriminierungserfahrungen Schwarze Menschen in Deutschland machen und welche gesellschaftspolitischen Handlungsmöglichkeiten sich daraus ergeben, diskutieren wir am 30.11.2021 von 10:00 bis 14:15 Uhr bei der digitalen Fachtagung „#Afrozensus – Diskriminierungserfahrungen, Perspektiven und Engagement Schwarzer Menschen in Deutschland“.

Afrozensus - We will riseDer #Afrozensus ist die erste umfassende Studie, die sich mit den Lebensrealitäten, Perspektiven und Diskriminierungserfahrungen von Schwarzen, afrikanischen und afrodiasporischen Menschen in Deutschland befasst. Das Bildungs- und Empowerment-Projekt Each One Teach One (EOTO) e. V. hat dazu gemeinsam mit Citizens For Europe (CFE) gUG und gefördert von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes eine Befragung unter mehreren Tausend Schwarzen, afrikanischen und afrodiasporischen Menschen in Deutschland sowie Interviews und Fokusgruppen mit Expert*innen aus dem Gesundheits- und Bildungsbereich durchgeführt. 

Bitte melden Sie sich bis zum 25.11.2021 über die Online-Registrierung zu der Veranstaltung an. Sie erhalten dann wenige Tage vor der Veranstaltung die Zugangsdaten per E-Mail zugeschickt.

Die Veranstaltung wird in die englische Sprache sowie Deutsche Gebärdensprache übersetzt.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!

Teresa Ellis BrembergerTeresa Ellis Bremberger ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich „Vielfalt entscheidet – Diversity in Leadership“. Sie kommt in unterschiedlichen Rollen in Projekten zum Einsatz, bei denen Antidiskriminierungs- und Gleichstellungsdaten mit einer intersektionalen Perspektive erhoben werden. Ihre Interessen und Leidenschaften sind vielfältig: von Projektmanagement bis Data Science. Zuletzt war sie als Projektleiterin bei EOTO e.V. in Kooperation mit CFE für den #AFROZENSUS tätig– der ersten Erhebung von Diskriminierungserfahrungen und Lebensrealitäten Schwarzer, afrikanischer und afrodiasporischer Menschen in Deutschland. Zuvor war sie Projektmitarbeiterin in einem Beratungsunternehmen für gesellschaftliche Innovationen und u.a. Teil des Teams, welches das Partizipations- und Integrationsgesetz des Landes Berlin evaluiert hat. Teresa war als Gastforscherin am Philosophischen Institut der Universität Addis Abeba und IZEW der Universität Tübingen tätig, um Bedingungen für die nachhaltige Entwicklung von Hochschulen im äthiopischen und deutschen Kontext zu untersuchen. Sie hat einen akademischen Hintergrund in Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und besitzt einen Abschluss der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie ist außerdem zertifizierte Social Justice und Radical Diversity Trainerin mit einem Fokus auf Antirassismus und Empowerment.

Menschen mit Migrationshintergrund können die Wahl entscheiden.

Etwa 7,6 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund dürfen bei der Bundestagswahl wählen – das sind 12,2 % aller Wahlberechtigten. In welchen Wahlkreisen haben Wahlberechtigte mit Migrationshintergrund auch das Potential die Bundestagswahl zu entscheiden? Erstmalig liegen nun mit der Studie von Citizens For Europe fundierte Schätzungen dazu vor.

Die geringe  Repräsentation im Bundestag ist sowohl Ausdruck der mangelhaften  Nachwuchsförderung in den Parteien als auch der fehlenden Priorisierung der Themen der Einwanderungsgesellschaft”, sagt Daniel Gyamerah, Bereichsleitung “Vielfalt entscheidet”, Citizens For Europe. 

Schlaglichter der Studie:

  • Aktuelles Machtpotential: In 167 von 299 Wahlkreisen (56 Prozent) könnten Wahlberechtigte mit Migrationshintergrund mit ihrer Erststimme das Direktmandat für den Bundestag entscheiden. In diesen Wahlkreisen übersteigt die Anzahl der Wahlberechtigten mit Migrationshintergrund den Abstand an Stimmen zwischen der erst- und zweitplatzierten Direktkandidat*in der letzten Bundestagswahl.
  • Repräsentationsdefizit: Der Anteil der Wahlberechtigten mit Migrationshintergrund beträgt 12,2 Prozent und entspricht damit mindestens 74 Bundestagsmandaten. Zur Zeit haben aber nur 58 Bundestagsabgeordnete einen Migrationshintergrund.
  • Zukünftiger Repräsentationsanspruch: 24,2 Prozent der Bevölkerung haben einen Migrationshintergrund. Daher beträgt die in Zukunft theoretisch erwartbare Anzahl an Bundestagsmandaten, die diese Gruppe repräsentieren sollte, mindestens 142 Mandate.
  • Wahlrecht für alle: Im Schnitt sind 6 von 10 Personen mit Migrationshintergrund nicht-wahlberechtigt, da das Wahlrecht auf Bundes- und Landesebene noch immer an die deutsche Staatsbürgerschaft gekoppelt ist. Dies betrifft in Städten bis zu einem Drittel der Bevölkerung.
  • Diversität gewinnt Wahlen: Für Parteien stellen Menschen mit Migrationshintergrund ein erhebliches elektorales Potential dar, wenn sie ihr personelles Angebot und ihre programmatische Ausrichtung für das diverser werdende Elektorat anpassen.

Auf Basis des Mikrozensus und Daten des Bundeswahlleiters haben Jun.-Prof. Arndt Leininger, PhD (Technische Universität Chemnitz), Julius Lagodny (Cornell University), Daniel Gyamerah und Deniz Yıldırım-Caliman (beide Citizens For Europe) mit Unterstützung von Correlaid e.V., erstmals  die Anzahl der Wahlberechtigten mit Migrationshintergrund für alle 299 Bundestagswahlkreise geschätzt.

Download der Publikation

Fachbeitrag: „Antidiskriminierungs- und Gleichstellungsdaten in der Verwaltung. Diversitätsorientierung lernen, üben und leben“. Von Lucienne Wagner, Joshua Kweis Aikins, Daniel Gyamerah, Deniz Yıldırım-Caliman (Citizens For Europe). Seiten 54-67.

Es ist zentral, dass Verwaltungen die Vielfalt der Bevölkerung abbilden, denn nur was intern gelebt und aktiv gestaltet wird, kann sich im Verwaltungshandeln niederschlagen. Bezüglich der Repräsentation von Personen, die rassistische Diskriminierung erfahren, gibt es bisher keine Daten, die die Erfahrung von Betroffenen zum Ausgangspunkt machen. Der vorliegende Beitrag wurde für eine Broschüre des Diversity-Netzwerk der Kommunal- und Landesverwaltungen verfasst, welches 18 Städte und 9 Bundesländer umfasst. Er gibt Einblicke in die Ergebnisse der Studie „Diversität in öffentlichen Einrichtungen – Erfahrungen und Kompetenzen auf Führungsebene”  und geht der Frage nach wie Verwaltungen aktiv intersektional, rassismuskritisch und diversitätsorientiert arbeiten können.

Auf Initiative der LADS und der Punktdienststelle Diversity in Köln und in Kooperation mit der Internationalen Gesellschaft für Diversity Management wurde 2015 ein Diversity-Netzwerk auf Kommunal- und Landesebene gegründet. In dem Netzwerk sind zahlreiche größere deutsche Städte und Bundesländer vertreten, die sich zum Thema Diversity engagieren.

Download der Publikation

Das Berliner Projektbüro für Diversitätsentwicklung Diversity Arts Culture (DAC) hat das Team „Vielfalt entscheidet – Diversity in Leadership“ von Citizens For Europe (CFE) mit einer Grundlagenforschung in Berliner Kulturbetrieben beauftragt, um ihre eigene Arbeit datenbasiert aufzustellen.

Im Rahmen der Grundlagenforschung wurden vier Projekte im Berliner Kultursektor durchgeführt. Die Durchführung einer Online-Befragung unter Beschäftigten in ausgewählten Berliner Kultureinrichtungen war das vierte und damit letzte Teilprojekt. An der Umfrage beteiligten sich 2019 drei Einrichtungen – das Staatsballett, die Berlinische Galerie sowie die Stiftung Berliner Mauer.

Da die Befragung dazu dienen soll, die Vielfalt, aber auch erlebte Diskriminierung in den teilnehmenden Einrichtungen abzubilden sowie Handlungsoptionen und Bedarfe im Bereich der Diversitätsentwicklung zu ermitteln, war es für die teilnehmenden Kultureinrichtungen wichtig, dass sie in der Ergebnisdarstellung nicht in einen, auch aufgrund der unterschiedlichen Sparten, problematischen Vergleich zueinander gesetzt werden. Deswegen erfolgt die Er-gebnisdarstellung im Bericht nur im Aggregat. Mit der Online-Befragung wurden in Deutschland erstmals differenzierte Antidiskriminierungs- und Gleichstellungsdaten in Kultureinrichtungen erhoben, die neben den im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) geschützten Merkmalen, also zuge-schriebene „Rasse“, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter und sexuelle Identität, auch soziale Herkunft, Gewichtsdiskriminierung und DDR-/Ost- sowie West-Sozialisation umfasst.

Der vorliegende Bericht fasst zentrale Analysen und Ergebnisse zusammen.

Download der Publikation