Bisher gibt es kaum quantitative und qualitative Erhebungen, die Auskunft über Diskriminierung, Zugangsbarrieren und Aufstiegsmöglichkeiten für von Diskriminierung betroffene Personen in deutschen Parteien geben. Mit einer qualitativen Erhebung zu Diskriminierungserfahrungen innerhalb der Partei Bündnis 90 / die Grünen, geht Vielfalt entscheidet – Diversity in Leadership im Auftrag der AG Vielfalt der Partei einen ersten Schritt, spezifische Erkenntnisse über die Mechanismen von Ausschlüssen sowie wirksame Maßnahmen zur Inklusion bei den Grünen zu erlangen .

Die Forderung nach Inklusion und umfassender gesellschaftlicher Teilhabe diskriminierter Gruppen betrifft alle Bereiche der Gesellschaft. Besondere Bedeutung hat sie in Bezug auf die Repräsentativität von Parteien. Der Anteil von Parteimitgliedern sowie Amts- und Mandatsträger:innen mit Diskriminierungserfahrung ist in Deutschland jedoch sehr gering. Insbesondere Personen mit Rassismuserfahrung sind in der deutschen Parteienlandschaft unterrepräsentiert.

„Vielfalt entscheidet – Diversity in Leadership“ wurde von Bündnis 90 / Die Grünen beauftragt qualitative Erhebungen durchzuführen, um die internen Strukturen zu beleuchten. Die Fokusgruppen haben das Ziel ein besseres Verständnis von Diskriminierungserfahrungen und Vielfaltsdynamiken innerhalb der Partei zu erlangen.

 

Vorreiter:in für strukturelle Veränderung

In Anlehnung an das Frauenstatut, das sich die Partei 1986 gegeben hat und damit Vorreiter:in in Sachen parteipolitische Gleichstellung in der deutschen Parteienlandschaft wurde, soll ein „Statut für eine vielfältige Partei“ am Parteitag im November 2020 beschlossen werden. Als Vorbereitung dafür dienen die anonymisierten Ergebnisse der Fokusgruppengespräche. In diesen wird es neben struktureller Diskriminierung und Zugangsbarrieren auch um Aufstiegschance, also die Möglichkeit ein Amt zu übernehmen oder ein Mandat zu erhalten, gehen.

 

Was wir vorhaben

In vier Fokusgruppen werden ab Spätsommer 2020 Teilnehmende, die auf Bundes-, Landes- oder Kreisebene ein Amt oder Mandat innehaben oder anderweitig stark innerhalb der Partei engagiert sind, ihre Erfahrungen teilen. Sie werden über Diskriminierungserfahrungen ins Gespräch kommen und auch darüber austauschen, welche Strukturen inklusiv und stärkend wirken. Im Rahmen der Fokusgruppen betrachten wir die Diskriminierungsdimensionen Rassismus, Hetero- und Cis-Sexismus sowie Klassismus aus einer intersektionalen Perspektive.