In Deutschland leben über eine Millionen Schwarzer, afrikanischer, afrodiasporischer Menschen. Der #AFROZENSUS ist die erste groß angelegte Onlinebefragung zur Erfassung ihrer Lebensrealitäten, Diskriminierungserfahrungen und Perspektiven. Ziel ist, mit den Ergebnissen die Schwarze Communities in Deutschland zu empowern und konkrete politische Maßnahmen gegen rassistische Diskriminierung und zur Förderung der Schwarzen Communities voranzutreiben. Gefördert von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes ist #AFROZENSUS eine Kooperation von Citizens for Europe gUG, Each One Teach One (EOTO) und dem Deutschen Institut für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM).

„Bis jetzt stellt die Politik in Frage, dass Anti-Schwarzer Rassismus überhaupt relevant ist. Die Lebensrealitäten Schwarzer Menschen in Deutschland werden oft einfach nicht gesehen. Sie stehen bisher weder im Fokus der Wissenschaft noch der Politik. Das wollen wir ändern, indem wir zum ersten Mal so viele Schwarze Menschen wie möglich befragen“, erzählt Daniel Gyamerah, der Leiter unseres Bereichs „Advocating for Inclusion“, bei einem Taz-Interview.

Die  Umfrage #Afrozensus soll erstmals ein möglichst umfassendes Bild über die Communities ergeben – wie sie ihr Leben in Deutschland einschätzen und welche Erwartungen sie an die Gesellschaft und Politik haben. Auf der Grundlage der Ergebnisse werden der deutschen Politik konkrete Empfehlungen zum Abbau rassistischer Diskriminierung und zum Schutz und Förderung Schwarzer Menschen in Deutschland unterbreitet. Die Ergebnisse werden auch den Community zur Verfügung gestellt. So erlangt eine der jüngsten und stark von intersektionaler Diskriminierung betroffene Bevölkerungsgruppen in Deutschland endlich die Aufmerksamkeit, die für eine bessere Interessenvertretung notwendig ist. 

Für das von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes im Rahmen der UN Dekade für Menschen afrikanischer Herkunft geförderte Projekt kooperiert Citizens For Europe gUG mit Each One Teach One (EOTO) e.V und dem Deutschen Institut für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM). Das Forschungsteam von unserem Bereich Advocating for Inclusion, setzt sich auf Expert*innen der diskriminierungskritischen Forschung und Beratung zusammen, die einen menschenrechtsbasierten und intersektionalen Ansatz verfolgen. Mit dem #AFROZENSUS wollen wir gemeinsam aufzeigen, was die Schwarze Communitiess brauchen, um in Deutschland gleichberechtigt zu leben.

 

Eine Erhebung von der Community für die Community

Der #AFROZENSUS ist vom Black Census Projekt in den USA inspiriert, an dem 30.000 Afroamerikaner*innen teilgenommen haben sowie von der europaweiten Studie Being Black in Europe der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte. Der Fragebogen beinhaltet Fragen über den demografischen und sozio-ökonomischen Hintergrund der Befragten (z.B. Alter, Wohnort, Einkommen, Geschlecht, diasporischen Bezüge, usw), Fragen über Diskriminierungserfahrungen (z. B. zu Racial Profiling oder im Gesundheitssektor), über das Rechtsbewusstsein der Befragten und zur Sichtbarmachung des gesellschaftlichen Beitrags (z. B. Kennst du deine Rechte und entsprechende Beratungsstellen? Welchen Organisationen vertraust du – von Gewerkschaften bis zu Parteien?), sowie Fragen über Diskriminierungsbereiche und Handlungsbedarfe (z.B. wie umfassend schätzt Du die Diskriminierung im Bereich Bildung, Gesundheit, Arbeit, Polizei & Justiz ein? Wo erlebst Du Sie am stärksten?). Außerdem wird auch nach Forderungen an die Politik gefragt.

Wir machen hier eine Erhebung von der Community für die Community. Die Teilnahme ist selbstverständlich freiwillig und der Datenschutz ist gewährleistet, alle Rohdaten bleiben in der Hand der Schwarzen Community, liegen auf geschützten Servern der Schwarzen Community und so weiter.“, betont Daniel Gyamerah. Als gemeinsam für die Datenverarbeitung Verantwortliche  (Art. 26 DSGVO) halten sich EOTO e.V. und CFE gUG an die Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) und das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG).

Der Bericht soll Ende 2020 vorliegen.

https://afrozensus.de/