22.11.2017: Wie vielfältig ist die Berliner Verwaltung? Wir haben eine Befragung durchgeführt, die sich dieser Frage widmet. Mit der Befragung wurden nicht nur die Vielfalt der Berliner Führungskräfte, sondern auch deren etwaige Diskriminierungserfahrungen entlang aller Dimensionen des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetztes erstmals statistisch erfasst. Nun liegen uns die ersten Ergebnisse der Umfrage vor. Entsprechend unseres selbstgestellten Anspruchs die Forschung in diesem Bereich partizipativ zu gestalten, luden wir Expert*innen aus von Rassismus betroffenen Communitys ein, um mit ihnen die ersten Ergebnisse vorab zu diskutieren.

 

Bevor das Treffen in eine offene Diskussion mündete, hatte Prof. Dr. Naika Foroutan das Wort. Foroutan ist Professorin für Integrationsforschung und Gesellschaftspolitik an der Humboldt-Universität zu Berlin und stellvertretende Direktorin des Berliner Instituts für Integrations- und Migrationsforschung (BIM), dass uns als Kooperationspartner wissenschaftlich bei dem Studiendesign der Berlin-Studie beraten hat. Sie führte die Veranstaltung mit einem Vortrag zur „Bedeutung von Datenerhebung und zu dem gesellschaftlichen Impact von Forschung“ ein.

 

Prof. Dr. Foroutan sprach sich nachdrücklich für die Erhebung von Antidiskriminierungs- und Gleichstellungsdaten aus. Ein solches Diskriminierungsmonitoring sei ein wichtiges Instrument, um eine rassismuskritische Gesellschaft aufzubauen und Diskriminierung abzubauen.

Schließlich seinen immer mehr Menschen von rassistischer Diskriminierung betroffen. Das gelte auch für Kinder, die bereits in der vierten Generation in Deutschland leben und statistisch gesehen gar keinen Migrationshintergrund mehr haben. Wenn nachgewiesen werden könne, dass diese Menschen in wichtigen staatlichen Positionen unterrepräsentiert sind, dann könnten und sollten solche Daten die Grundlage bilden, um Maßnahmen zur Schließung der Repräsentationslücke zu fordern, so Foroutan.

 

Candice Morgan, Head of Diversity bei dem sozialen Netzwerk Pinterest in den USA, sprach sich in ihrem Vortrag ebenfalls für ein Diversity- und Antidiskriminierungs-Monitoring aus. In ihrem Leben beobachtete und erlebte sie wie Schwarze Menschen systematisch diskriminiert werden. Wenn solche Ausschlüsse offensichtlich existieren, sei es das Wichtigste dem gegenzusteuern und Zugänge zu schaffen. Dafür macht sich Morgan in ihrem Unternehmen stark.

Morgan schaffte es führende Personen ihres Unternehmens davon zu überzeugen, dass nicht nur eine vielfältige Zielgruppe gut für das Geschäft ist, sondern auch eine vielfältige Belegschaft, die die Bedürfnisse der Zielgruppe kennt und widerspiegelt. So begann Morgen in ihrem Unternehmen Daten zur Belegschaft zu erheben. In nur zwei Jahren konnte das Unternehmen mit gezielten Maßnahmen die Zahl der unterrepräsentierten Gruppen im Vergleich zu den Vorjahren verdoppeln. Erfolgreich war dabei vor allem die gezielte Ansprache unterrepräsentierter Gruppen, z.B. in Traditional Black Colleges; weniger erfolgreich scheint jedoch das Instrument der anonymen Bewerbungen zu sein, da von Personaler*innen z.B. anhand von Hobbies Rückschlüsse auf das Geschlecht gezogen werden.

Das Beispiel Pinterest zeigt, dass Daten in vielen Bereichen bereits eine Grundlage zum Abbau von Diskriminierung und zur Schaffung neuer Zugängen sind.

 

In der abschließenden Diskussion nutzten die Expert*innen die Möglichkeit, Fragen zur Studie und den Vorab-Ergebnissen zu stellen. Zudem lieferten sie Hinweise für den künftigen Umgang mit den erhobenen Daten der Berlin-Studie. Viele Beteiligte sprachen sich dafür aus, dass solche Daten auch künftig nicht von staatlichen Institutionen, sondern von unabhängigen Stellen erhoben werden sollen. Ein wichtiger Hinweis. Grund zur Vorsicht gebiete schon ein Blick auf die rassistische Verwendung und Erhebung von Daten über Sinti und Roma in der Geschichte Deutschlands.

 

 

Tiefere Einblicke in die Ergebnisse unserer Befragung unter Führungskräften der Berliner Verwaltung sind im Februar 2018 zu erwarten. Dann veröffentlichen wir die finalen Gesamtergebnisse der Studie einem breiteren Publikum.

Fotos: Nihad Nino Pusija